Tempo, Rhythmus und Schlag: Was ist der Unterschied?
Der Schlag ist der gleichmäßige Puls, zu dem du mit dem Fuß wippst. Das Tempo ist die Geschwindigkeit dieses Pulses, gemessen in Schlägen pro Minute (BPM). Der Rhythmus ist das Muster aus langen und kurzen Noten, das die Musik über dem Schlag spielt. Ändere das Tempo, und derselbe Rhythmus läuft einfach schneller oder langsamer; ändere den Rhythmus, und du bekommst ein anderes Muster, auch bei gleichem Tempo.
Was ist der Schlag?
Der Schlag ist der regelmäßige Puls unter der Musik: das, wozu du nickst, klatschst oder „eins, zwei, drei, vier“ zählst. Er hat immer denselben Abstand und läuft weiter, auch wenn gerade niemand eine Note auf ihm spielt. Jeder einzelne Pulsschlag heißt Schlag.
Schläge kommen in Gruppen, und der erste jeder Gruppe wird stärker empfunden. Ein Marsch geht EINS-zwei, EINS-zwei; ein Walzer geht EINS-zwei-drei, EINS-zwei-drei. Eine Gruppe ist ein Takt, und die Zahl der Schläge darin ist das Metrum, das die Taktangabe am Anfang eines Stücks festhält: 4/4 für vier Schläge, 3/4 für drei.
Was ist das Tempo?
Das Tempo ist die Geschwindigkeit des Schlags und sonst nichts. Meist wird es in Schlägen pro Minute angegeben: Bei 60 BPM dauert jeder Schlag eine Sekunde, bei 120 BPM eine halbe Sekunde.
In Noten steht das Tempo oft als italienisches Wort statt einer Zahl oder zusätzlich dazu. Adagio ist langsam, Andante ist Schritttempo, Moderato ist gemäßigt, Allegro ist schnell und Presto ist sehr schnell. Ein Tempo kann sich auch absichtlich ändern: ritardando heißt allmählich langsamer werden, accelerando allmählich schneller.
Das Tempo sagt dir, wie schnell das Raster läuft. Es sagt dir nichts darüber, welche Noten darauf fallen.
Was ist Rhythmus?
Rhythmus ist das, was die Noten in der Zeit tun: wann jede beginnt und wie lange sie dauert, gemessen am Schlag. In der Notation ist jeder Notenwert ein Bruchteil oder ein Vielfaches eines Schlags. Im 4/4-Takt dauert eine Viertelnote einen Schlag, eine halbe Note zwei und eine Achtelnote einen halben Schlag. Auch Stille zählt: Eine Pause ist eine abgemessene Zeitspanne, keine Lücke.
Das Stampf, Stampf, Klatsch von „We Will Rock You“ ist ein Rhythmus. Klatsche den Rhythmus eines Liedes, das jeder kennt, etwa „Happy Birthday“, ganz ohne Melodie, und die Leute erkennen es oft trotzdem. So viel von der Identität einer Melodie steckt in ihrem Rhythmus.
Schlag, Tempo und Rhythmus im Überblick
| Schlag | Tempo | Rhythmus | |
|---|---|---|---|
| Was es ist | ein Puls des gleichmäßigen Rasters | die Geschwindigkeit des Rasters | das Muster aus Noten und Pausen auf dem Raster |
| Die Frage, die es beantwortet | Wo klopfe ich? | Wie schnell? | Was tun die Noten? |
| Gemessen in | Zählzeiten: 1, 2, 3, 4 | Schlägen pro Minute oder einem Wort wie Allegro | Notenwerten: Viertel, Halbe, Achtel |
| Auf dem Papier | die Taktangabe und die Takte | eine Metronomangabe oder ein Tempowort | die Noten und Pausen selbst |
| Bleibt gleich? | ja, per Definition | meistens, außer es ist eine Änderung notiert | nein, es kann sich in jedem Takt ändern |
Ändert ein anderes Tempo den Rhythmus?
Nein. Beschleunige einen Song von 60 auf 120 BPM, und jede Note wird in Sekunden kürzer, aber jede behält ihre Länge im Verhältnis zum Schlag. Eine halbe Note dauert immer noch doppelt so lange wie eine Viertelnote. Der Rhythmus ist ein Gefüge von Proportionen, und das Tempo entscheidet nur, wie lange ein Schlag dauert.
Umgekehrt gilt es genauso, und darüber stolpern viele. Wenn ein Schlagzeuger auf der Hi-Hat von Vierteln auf Achtel wechselt, wirkt der Song schneller, weil jetzt doppelt so viele Noten auf jeden Schlag fallen. Das Tempo hat sich nicht bewegt. Der Rhythmus ist dichter geworden.
Wie hängen Schlag und Rhythmus zusammen?
Ein Rhythmus kann auf dem Schlag sitzen oder gegen ihn spielen. Eine Melodie, die jede Note auf einem Schlag beginnt, klingt kantig und gleichmäßig. Eine Melodie, die Noten zwischen die Schläge setzt und sie über den nächsten hinweg hält, klingt vorwärtsdrängend und lebendig; das ist Synkopierung, und ein großer Teil von Pop, Funk und lateinamerikanischer Musik ist darauf gebaut. So oder so: Erst der Schlag macht den Effekt hörbar. Eine Synkope klingt nur deshalb wie eine Synkope, weil du den gleichmäßigen Puls, gegen den sie zieht, weiterhin spürst.
Wie sich die Schläge in einem Takt gruppieren, verändert ebenfalls, wie sich ein Rhythmus anfühlt. Sechs gleichmäßige Noten lassen sich als drei Zweiergruppen oder als zwei Dreiergruppen hören, und genau dieser Unterschied trennt 3/4 von 6/8.
Was bedeutet „Beat“ im Hip-Hop?
Im Hip-Hop und in der elektronischen Musik ist ein „Beat“ auch das Instrumental, das ein Produzent für einen Rapper oder eine Sängerin baut: Schlagzeug, Bass und Samples. Das englische Wort wird im Deutschen genau so verwendet, man „baut“ oder „kauft“ einen Beat. Das ist eine andere Bedeutung als der Schlag aus der Musiktheorie. Der Beat eines Produzenten enthält ein Tempo, einen Rhythmus und einen gleichmäßigen Schlag im Sinne der Theorie, alles auf einmal.
Ebenso ist die Rhythmusgruppe einer Band (meist Schlagzeug und Bass, oft mit Gitarre oder Keyboard) nach ihrer Aufgabe benannt, nämlich Schlag und Groove zu halten, und nicht danach, dass sie nur Rhythmus spielt.
Häufige Fehler
- Einen Song „schnell“ nennen, wenn er nur dicht ist. Mehr Noten pro Schlag sind eine Änderung des Rhythmus. Zähle den Schlag, um das Tempo zu kennen.
- Vom Tempo abdriften. Ungewollt schneller werden nennt man eilen, langsamer werden schleppen. Beides sind Tempoprobleme, keine Rhythmusprobleme.
- Die Pausen überspringen. Eine Pause gehört zum Rhythmus. Lässt du sie weg, kommt jede Note danach zu früh.
Probier es aus
Beginne mit der Lektion über Rhythmusgrundlagen, die den Puls von den Noten trennt und mit einer kurzen Mitklopf-Runde endet. In der Lektion über das mechanische Metronom stellst du ein Tempo ein und hörst, wie eine BPM-Zahl klingt. Danach spielt Den Rhythmus mitklopfen einen Einzähler, der dir Schlag und Tempo gibt, und bittet dich, den Rhythmus der Noten darüber zu klopfen. Die Übung sagt dir, ob du geeilt oder geschleppt hast: ein Tempobericht über dein eigenes Spiel.