Intervalle: die Bausteine

Jeder Akkord, jede Melodie, jede Harmonie, die du je gehört hast, ist im Grunde nichts anderes als eine Sammlung von Abständen zwischen Tönen. Für diesen Abstand haben Musiker einen Namen: Intervall. Wenn du lernst, Intervalle in Halbtönen zu messen, besitzt du die eine Fähigkeit, die dir Akkorde, Tonleitern und Melodien auf einen Schlag erschließt.

Was ist ein Intervall?

Ein Intervall ist einfach die Anzahl der Halbtöne zwischen zwei Tönen, gezählt vom tieferen Ton aufwärts zum höheren. Dabei spielt es keine Rolle, welche beiden Töne du wählst — C bis E oder Fis bis Ais: Beträgt der Abstand 4 Halbtöne, handelt es sich um dasselbe Intervall mit demselben Namen und, was noch wichtiger ist, mit demselben Klangcharakter. Genau das ist das Starke daran: Sobald du ein Intervall an seinem Abstand erkennst, erkennst du es überall wieder, auf jedem beliebigen Grundton.

Die Intervallnamen, die du brauchst

Jeder Halbtonabstand hat einen festen Namen. Hier sind diejenigen, die dir ständig begegnen:

Halbtöne Name Beispiel ab C
1 kleine Sekunde (k2) C → Cis
2 große Sekunde (g2) C → D
3 kleine Terz (k3) C → Dis
4 große Terz (g3) C → E
5 reine Quarte (r4) C → F
7 reine Quinte (r5) C → G
8 kleine Sexte (k6) C → Gis
9 große Sexte (g6) C → A
10 kleine Septime (k7) C → Ais
11 große Septime (g7) C → H
12 reine Oktave (r8) C → C

Achte auf das Muster in den Namen: „große” und „kleine” Intervalle treten meist paarweise auf und liegen genau einen Halbton auseinander, wobei die kleine Variante die kleinere der beiden ist.

Das wichtigste Paar: die Terzen

Von allem in dieser Tabelle verdienen die große Terz (4 Halbtöne) und die kleine Terz (3 Halbtöne) besondere Aufmerksamkeit, denn dieser eine Halbton Unterschied ist es, der einen Dur-Akkord von einem Moll-Akkord trennt. Jeder Dreiklang, den du in diesem Kurs baust, beginnt mit einem Grundton und stapelt darauf entweder eine große oder eine kleine Terz — wenn du dieses eine Intervall nach Gehör und nach Zählung sicher triffst, kannst du praktisch jeden Akkord lesen.

Die reine Quinte (7 Halbtöne) ist ebenfalls wichtig, aber aus einem anderen Grund: Sie bleibt gleich, egal ob der Akkord Dur oder Moll ist, und wirkt damit eher als stabiler Rahmen denn als Stimmungsmacher.

Schnell auf der Klaviatur zählen

Am schnellsten prüfst du ein Intervall, indem du die Tasten zwischen den beiden Tönen zählst — schwarze eingeschlossen. Überspringe niemals eine Taste und zähle den Ausgangston nie als „1”. Eine Faustregel: Eine große Terz heißt „4 hinauf” und landet in Abschnitten mit vielen weißen Tasten oft auf der nächsten weißen Taste hinter einer schwarzen; eine kleine Terz heißt „3 hinauf”, also einen Halbton weniger. Im Zweifel zähle lieber Halbton für Halbton, statt dich auf das Bild der Tastenform zu verlassen.

Häufige Fehler

  • Buchstaben statt Halbtöne zählen. C bis E sind „drei Tonnamen” (C, D, E), aber 4 Halbtöne — das Zählen von Tonnamen und das Zählen von Halbtönen ergibt für dasselbe Intervall unterschiedliche Zahlen.
  • Verwechseln, welches Intervall größer ist. Eine kleine Terz (3) ist kleiner als eine große Terz (4) — „klein” bedeutet hier weniger Halbtöne, nicht einen anderen Ausgangspunkt.
  • Sich an den schwarzen Tasten verzählen. Jede Taste, an der du vorbeikommst, ob schwarz oder weiß, ist ein Halbton. Zähle sie langsam einzeln, bis es automatisch geht.

Jetzt spielen

Diese Runde mischt Dur- und Moll-Akkorde, das heißt: Jeder Grundton kann in beide Richtungen gehen — die Terz kann 3 oder 4 Halbtöne über dem Grundton liegen. Deine Aufgabe ist es, den Unterschied in Echtzeit zu hören und zu zählen: Baue zuerst die Terz, prüfe, ob sie 3 oder 4 Halbtöne vom Grundton entfernt ist, und lass dir davon sagen, ob du Dur oder Moll baust. Genau um diese eine Unterscheidung geht es in dieser Runde.